+++ Pressemitteilung vom 28.04.2008 +++

„Wir bleiben Alle!“ – Kampagne stellt Konzept für Tempelhof vor

- Gelände soll nach Ende des Flugbetriebs allen Menschen zur freien
Verfügung gestellt werden
- Bauverordnungen sollen außer Kraft gesetzt werden
- Keine kommerzielle Nutzung von Gebäuden und Fläche

Die autonome „Wir bleiben Alle!“ – Kampagne hat nach dem Ausgang des so genannten Volksentscheides ein Konzept zur weiteren Verwendung des Flughafen Tempelhofs vorgestellt. Danach soll das Gelände nach der Beendigung des Flugbetriebs allen Menschen zur freien Verfügung gestellt werden. Maria Kron von „Wir bleiben Alle“ erläutert dazu: „Wir wollen, dass die Zäune wegkommen und die Menschen den neuen Stadtteil selbst organisiert besetzen können. Auf eine Ansiedlung kommerzieller Kultur
oder geordneter Grünanlagen können wir getrost verzichten. Um den Ideen der Menschen genügend Platz zu bereiten, müssen zudem staatliche Zwänge wie etwa Bauverordnungen fallen gelassen werden.“
Vorbild der Idee einer selbst organisierten Besiedlung des Flughafengeländes ist die in Kopenhagen liegende Freistadt Christiana. Dort hatten 1971 mehrere tausend Menschen ein Kasernengelände besetzt. Die Freistadt wird seitdem unabhängig von den staatlichen Behörden verwaltet. Mit der Zeit haben sich autonome Strukturen zur Gesundheits- und Sozialversorgung gebildet, eine Polizei gibt es nicht. Christiana ist jeden Tag Anlaufpunkt für tausende Besucherinnen und Besucher. „Berlin würde so ein Stadtteil in Zeiten der beschleunigten Stadtumstrukturierung gut tun. Im Gegensatz zu den leblosen Gebieten aus Glas und grauem Beton in der Innenstadt könnte hier ein Platz für alle entstehen“, sagt Maria Kron weiter.
Die „Wir bleiben Alle!“ – Kampagne versteht ihr Konzept in ausdrücklicher Abgrenzung zum Nachnutzungskonzept des Berliner Senats. Maria Kron dazu: „Die Parteipolitik redet zwar von ‚Tempelhof für alle’, verkennt dabei aber wie so häufig, dass auch durch kommerzielle Kultureinrichtungen in den Flughafenhangars oder städtisch gepflegte Wiesenmeere auf dem Rollfeld Menschen ausgeschlossen werden. Was die Stadt nun wirklich nicht braucht, sind weitere In-Clubs mit Einlasskontrollen oder durch das
Ordnungsamt überwachte Parkanlagen mit einem Haufen Verboten.“
Die Umsetzung des Konzeptes bedarf nach dem Selbstverständnis der Kampagne keiner Entscheidung durch übergeordnete Instanzen. „Wenn der Flugbetrieb endet, muss nicht gewartet werden, bis die Zäune weg sind. Wir wollen die Menschen in Berlin dazu aufrufen, sich das Gelände selbstbestimmt anzueignen und es dauerhaft zu besetzen“, meint Maria Kron.

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Die autonome „Wir bleiben Alle!“–Kampagne gibt es seit Februar 2008. Sie verfolgt das Ziel, selbstorganisierte Freiräume zu erhalten und zu erkämpfen. Die Kampagne möchte darüber hinaus das Thema Stadtumstrukturierung in die öffentliche Diskussion bringen und versteht sich als emanzipatorische Intervention in die Gesellschaft. Für Ende Mai
ruft „Wir bleiben Alle!“ international zu Aktionstagen für autonome Freiräume in Berlin auf.