Action Days Niederlande

Hier ein Diskussionsbeitrag, der uns zu geschickt wurde:

Einige gedanken zu den actiondays in den niederlanden.

Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Text nur einen subjektiven Eindruck vermitteln kann. Auch dient er nicht der reinen Kritik und ist in der Hoffnung geschrieben eine Diskussion anzuregen über eine international vernetzte und organisierte Squater_Innenbewegung und die Squatter_Innenbewegung in den Niederlanden explizit, sowie die Frage aufwerfen, wie mensch international mobilisieren kann und Rahmenbedingungen schaffen kann für weitere und mehrere Aktionsformen.

Warum actiondays in den Niederlanden stattfanden kann mensch nochmal nachlesen unter dem Link – dt.: http://de.indymedia.org/2009/10/263893.shtmlund engl. http://de.indymedia.org/2009/10/263486.shtml niederl. http://indymedia.nl/nl/2009/10/62229.shtml indy-artikel .
Mensch könnte nun denken, dass hierfür ausführlich international mobilisiert worden ist und die Stimmung in den Niederlanden dem entsprechend gereizt, wütend und geladen war. Zu meinem erstaunen war dies nicht der Fall.
Bis auf diesen Aufruf, http://wba.blogsport.de/2009/10/21/call-out-to-all-squatters/ niederl.: http://indymedia.nl/nl/2009/10/62527.shtml
,war nichts weiter zu vernehmen. Warum?
Es fällt mir schwer zu verstehen, warum hinsichtlich der Bedrohung von Squats und der Kriminalisierung einer großen Squating-bewegung, wie sie in den Niederlanden vorhanden ist, nicht im größeren Umfang mobilisiert worden ist. Das heißt, dass Texte zumindest auch auf Englisch veröffentlicht (z.Bsp. auf Indymedia) werden und auch vor Ort zur Verfügung stehen. Jedoch stellt sich auch die Frage, ob es eine so große Besetzer_Innenbewegung in den NL gibt. Es stellt sich die Frage, da sich zu der „nationalen“ Demo (warum eigentlich national gehalten? National, da hauptsächlich innerhalb der NL mobilisiert worden ist) gerade einmal 1OOO Menschen einfanden. Nach meinem Verständnis ist die Squater_Innenbewegung per se eine internationale, warum wird noch so stark innerhalb von Länder- oder sprachlichen Grenzen agiert?
Oder irre ich mich so stark?
Aber wer innerhalb des deutsch-sprachigen Raumes beispielsweise wusste etwas von der Demo oder den actiondays im Vorfeld?
Der Eindruck entstand z.Bsp. durch das Fehlen von Informationen auf Englisch, einer nur sporadisch wirkenden Vernetzung der Städte untereinander, ebenso durch das Fehlen von Schlafplätzen oder einer Vokü. Im Ganzen wirkte die Organisation eher diffus und undurchsichtig für angereiste UnterstützerInnen, aber eben auch für locals.

Jedoch schien es ein Konsens über die Aktionsformen zu geben, da es über Neubesetzungen kaum hinausging. Mensch sollte den Wert von Neubesetzungen nicht unterschätzen, aber wenn sie dazu angetan sind, viel Drogen zu nehmen und Party zu machen, anstatt diese öffentlich zu machen und die Problematik der Gesetzesänderung öffentlich zu vermitteln und offensiver in die Öffentlichkeit zu tragen, habe ich etwas nicht verstanden.
Es schien mehr Besetzungstage, die einem üblichen Schema folgten zu sein, als actiondays im Sinne von verschiedensten Aktionen verschiedenster Gruppen.
Was mich stark wunderte, war die Lässigkeit, mensch könnte auch sagen Behäbigkeit, mit der Menschen, die ich getroffen habe, bis auf einige ausnahmen, mit dieser Thematik umgingen. Sei es, dass davon ausgegangen wurde, dass dieses Gesetz doch nicht kommt oder das mensch ja dann gut darauf vorbereitet ist durch viele Neubesetzungen und damit mit einem größeren Aufwand seitens der Repressionsorgane diese zu räumen. Von einem großen Interesse an einer Vernetzung mit anderen Menschen aus anderen Ländern kann nicht die Rede sein. Auch ein Denken über die Staatsgrenzen hinweg, wo squaten nicht so einfach ist und im welchen Zusammenhang dieser Gesetzesentwurf im europäischen Kontext steht war so gut wie nicht vorhanden.
Ich weiß nicht, welchen Wert eine Spekulationsdebatte darüber hat, ob nun ab dem ersten Januar das Gesetz in kraft tritt oder erst in einem halben Jahr oder in zwei Jahren.
Ich denke, es ist allemal gut, auf solch ein Gesetz und die daraufhin folgenden Repressionen vorbereitet zu sein. Es ist gut den verschiedenen Umgang mit der sozialen Wohnungsproblematik in den Niederlanden über die Niederlande hinaus zu thematisieren. Wer ausserhalb den Niederlanden weiß tatsächlich etwas über die Anti- Kraak- Bewegung, die über eine Organisation sich in leerstehende Häuser günstig einmietet- wohlgemerkt ohne Mietrechte- so dass die Gebäude genutzt werden und nicht mehr (noch) legal besetzt werden können. Es ist wichtig, dass sich die niederländische, aber überhaupt die internationale Besetzer_innenbewegung ihrer Internationalität bewusst wird und wieder international gemeinsam agiert, statt sich auf regionale Standortpolitik zurückzuziehen.
Vielleicht ist eine internationale Repolitisierung der squats, besonders die in Berlin vonnöten, um auf diesem Feld auch wieder tätig werden zu können. Haben wir nicht zu lang in einer Blase gelebt, durch die wir isolierter und damit angreifbarer geworden sind. Ist es nicht langsam an der zeit, das autonome Wohnzimmer wieder in ein Aktionsbüro zu verwandeln?

Doch wenn es nicht mal die Hausprojekte in Berlin schaffen, sich soweit untereinander zu vernetzen, daß eine breitere Solidaritätsarbeit geleistet wird, wie soll das im größeren Rahmen funktionieren? Das unverständige daran ist es gibt die Vernetzungsstrukturen in Berlin, es gibt die Situation, in der mehrere Projekte bedroht sind und es gibt, wie ich es wahrnehme, viele Menschen, die diese Projekte( ob Haus oder Wagenplatz) nutzen und in diesen leben. Trotz dessen, findet eine tatsächliche, praktische und effektive Vernetzung nicht statt. Abgesehen von der united- we- stay- demo, bei der an die 5000 Menschen sich solidarisiert haben, treffen sich bei den verschiedensten Ereignissen die immer gleichen Menschen, die auch an den Vorbereitungen beteiligt sind. Das Problem sehe ich nicht nur an einer geringen Beteiligung an Demonstrationen, obgleich dies auch wichtig ist, um möglichen Druck von der Strasse aus aufzubauen. Auch weitere Kampagnenarbeit wird kaum geleistet.
Aber wie viel praktische politische Arbeit wird noch innerhalb der Projekte und aus diesen heraus geleistet?

Ich möchte nicht behaupten, daß es gar keine Vernetzung der berliner Projekte untereinander gibt, auch nicht dass es keine zu anderen Projekten aus anderen Ländern gibt. Doch basiert diese Vernetzung zumeist aus persönlichen Kontakt, wie mir scheint und ist aus diesem Grund auch nicht so handlungsfähig, wie es erforderlich wäre, um der Repression zu begegnen. Das zeigt sich u.a. dadurch, dass Razzien stattfinden können, ohne, daß die „Szene“ dem etwas entgegensetzen kann. Dass es zu Räumungen und anderen Repressalien kommen kann, ohne angemessene Reaktion. Dass es schon seit einer Weile, wenn dann überhaupt nur zu einer Reaktion kommt, bestenfalls.
Natürlich liegt das nicht allein an einer fehlenden Vernetzung. Jedoch was genau die Probleme sind und wie mensch diesen begegnen kann, wie konkretes politisches Handeln im Raum Stadt aussehen kann und wie mensch Ziele erreichen kann und sich nicht mit einem Krümel vom Kuchen bzw. einen Vertrag in der Tasche zufrieden geben kann, dazu bedarf es u.a. Diskussionen, für die, meinem Ermessen nach, nicht viel Interesse besteht. Es mag sein, dass sich einiges hier zu drastisch anhört, vielleicht aber ist es auch noch drastischer, als ich es hier formuliert habe. Ich schreibe vielleicht auch nicht von einem Standpunkt aus, der sich rühmen kann, alles ganz genau zu wissen und nun das Insiderwissen per se darstellt. Vielleicht gibt es Menschen, die mehr dazu zu sagen haben, die es genauer wissen, die auch Interesse haben, dem zu antworten und sich gemeinsam Strategien überlegen, wie die Projekte aus der scheinbaren Lethargie gerissen werden können und wieder eine von vielen politische Plattformen ausmachen.