
Zum 31. Juli 2010 wurde dem Verein „alternative Lebensgestaltung e.V.“, ALGE in Oschersleben (Sachsen-Anhalt) der Pachtvertrag gekündigt. Aus diesem Grund fand am Donnerstag (11.02.2010) in Oschersleben eine Kundgebung und Demonstration statt. Etwa 60 Menschen beteiligten sich an dieser.
Die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft „Bewos“ aus Oschersleben hat der „ALGE“ das Pachtverhältnis über das Gebäude in der Magdeburger Straße 35 zum 31. Juli dieses Jahres gekündigt. Die „Bewos“ wirft der „ALGE“ vor, gegen den Pachtvertrag verstoßen und Wohnraum untervermietet zu haben. Ebenfalls seinen nach Angaben des Bauordnungsamtes und der „Bewos“ die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten. Das seit 2001 existierende selbstverwaltete Objekt steht somit vor dem aus. Auf dem Gelände der „ALGE“ soll nach Willen des kommunalen Trink-und Abwasserverbandes (TAV) ein Parkplatz entstehen.
Aus diesem Grund fand in Oschersleben eine Kundgebung & Demonstration statt. Etwa 60 Menschen versammelten sich gegen 15:30 Uhr vor der „ALGE“ um mit Flugblättern und Redebeiträgen auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen. Nach einer Stunde gab es den Versuch bei der Polizei, die sich etwa 30 Meter entfernt auf einen Parkplatz aufhielt, eine Demonstration anzumelden. Der zuständige Einsatzleiter untersagte allerdings eine Anmeldung, da es in seinen Augen keine Spontandemonstration darstellt und es somit 48 Stunden vorher Angemeldet werden müsste. Als gegen 17:00 Uhr die Kundgebung beendet wurde entschloss man sich auch ohne Anmeldung eine Demonstration durchzuführen. Unter Sprüchen wie „ALGE Bleibt!“ oder „Reißt ihr uns die ALGE ab – machen wir die City platt!“ ging es lautstark und entschlossen durch die Innenstadt. Die Polizei, die mit der Situation völlig überfordert war, begleitete mit 3 Fahrzeugen die Demo. Nach etwa 45 Minuten wurde die Demo vor der „ALGE“ beendet. Während der Demo kam es zu keinen Festnahmen oder Personalienfeststellungen durch die Polizei. Eine Polizeihundertschaft aus Magdeburg traf erst in Oschersleben ein, als die Demo schon eine Stunde lang beendet war.
Gerade in ländlichen Regionen, wo die Nazis das Stadt- bzw. Dorfbild prägen, ist dies umso wichtiger selbstverwaltete Strukturen zu schützen und zu schaffen. Doch nicht nur gegen Nazis sind Freiräume für uns wichtig. Sie bieten Platz für Infoveranstaltungen, Solikonzerte, Diskussionen und für eigene Ideen. Dennoch sind linke Freiräume nicht gleich „Antikapitalistische Zonen“. Indem wir allerdings einen antikapitalistischen Anspruch stellen, aber uns andererseits auf kapitalistische Sachzwänge beziehen, bleibt dies doch nur eine Möglichkeit linksradikale und emanzipatorische Ansätze so gut wie möglich in die Gesellschaft zu tragen und die nötigen Diskussionen zu führen. Wir können den Kapitalismus nicht überwinden, solange es ihn gibt. Wir können ihn, wenn dann, wohl eher besser ertragen, indem man Preise, die nicht auf Gewinn ausgelegt sind, anbieten kann. Trotz dieser Tatsache ist es wichtig einen Freiraum – auch in der Provinz – zu schaffen, um Menschen die Möglichkeit zu geben sich antifaschistisch, antikapitalistisch und linksradikal zu engagieren oder einfach einen Ort aufzusuchen ohne Nazis, Mackerscheiße und anderen Ordnungsfanatikern. (Auszug aus dem Aufruf der Antifaschistischen Aktion Burg gegen einen Naziaufmarsch im Juni 2008 in Genthin)
Mit dem heutigen Tag konnte ein erstes Zeichen für den Erhalt der „ALGE“ in Oschersleben gesetzt werden. Weitere werden folgen.
Linke Freiräume schaffen und verteitigen – überall!
Der Kampf geht weiter!
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