Stellungnahme zur Brunnen183

+++ Disclaimer +++

Dies ist ein Statement aus der WBA zur Brunnen183. Dem Statement liegt kein Konsens zugrunde. Es wird aber von vielen Menschen aus der WBA unterstützt.

+++ Statement +++

Die WBA verurteilt das Schaffen und Aufrechterhalten von Angsträumen, patriarchalen und hierarchischen Strukturen, sexistischen (Rede-)Verhaltens, die sexualisierte und körperliche Gewalt und sexuellen Übergriffe in der Brunnenstraße 183 (in Berlin) und hat schwere Zweifel an dem Selbstverständnis des Hausprojektes. Uns ist bekannt, dass im Projekt insbesondere in der Zeit ab dem 18.06.09 sehr viele unterschiedliche Menschen gelebt haben, es jedoch auch einen festen Kern von Bewohner_innen gab, die bis zur Räumung im Haus blieben. Trotz der hohen Fluktuation gab es immer wieder Übergriffe, auf die fast keine_r der Bewohner_innen reagierte.

Umso wichtiger erscheint uns eine Reflektion insbesondere der Prozesse und Strukturen, die dazu geführt haben, dass diese Vorfälle weder innerhalb des Hauses noch innerhalb der WBA aufgearbeitet und die Betroffenen allein gelassen wurden.

Die WBA entschuldigt sich bei allen Betroffenen der Übergriffe dafür, dass nicht interveniert wurde obwohl vielen die Situation in der B183 bekannt war. Uns ist es scheinbar noch nicht einmal in linken Hausprojekten gelungen Schutzräume für Betroffene von Übergriffen zu schaffen.

Genauso schockierend ist es, dass bei der zu diesem Grund einberufenen Sonder VV im Dezember gerade einmal sieben Menschen anwesend waren. Erst auf der VV im Februar gab es eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Problem.

Unter anderem gibt es die Überlegung eine „awarenessgroup“ zu gründen, die sich mit theoretischer Arbeit beschäftigt und als Ansprechpartner genutzt werden kann. Auf dem WBA Blog werden Websites mit entsprechendem Inhalt verlinkt und es sollen weitere VVs zu diesem Thema stattfinden.

Jedoch sehen wir darin sicherlich nicht die Lösung des Problems, sondern den Anstoß zu einer stetigen Debatte über Sexismus und Hierarchien in linken Strukturen und einen kleinen Schritt auf dem Weg zu Freiräumen, die sich nicht nur als solche bezeichnen.

In diesem Zusammenhang fordern wir die Menschen, die unter dem Slogan „die Brunnen lebt“ agieren sowie andere Gruppen, die sich mit der B183 solidarisch erklären zu einer Stellungnahme auf. Auch Statements ehemaliger Bewohner_innen wären hilfreich um das Geschehene aufarbeiten und somit vielleicht in Zukunft auf solche Vorfälle angemessen reagieren zu können.

Kritik an der eigenen „Szene“ und vor allem an sich selbst zu üben ist unbeliebt, doch gerade deshalb ist es wichtig den eigenen Standpunkt kontinuierlich zu hinterfragen. Auf der VV haben wir gemerkt wie notwendig es ist der Diskussion über Sexismus in linken Zusammenhängen einen Raum und vor allem mehr Zeit zu geben. Vielleicht kann diese Stellungnahme dazu anregen euch mit Freund_innen, verschiedenen Gruppen und in Kollektiven zusammenzusetzen und genau das zu tun, denn die Brunnenstraße 183 war mit Sicherheit ein Härte-, jedoch kein Einzelfall!