Brutaler Polizeieinsatz und Festnahmen am Heinrichplatz in Kreuzberg

In Kreuzberg 36 explodieren die Mieten. Viele Menschen können sich das
nicht mehr leisten und müssen den Kiez verlassen. Auch die Gewerbemieten
steigen. Am Heinrichplatz musste jetzt das Cafe jenseits zumachen, weil
der Hausbesitzer die Miete verdoppelt hat – auf 40 Euro pro m².

Wir werden diese Entwicklung nicht länger tatenlos hinnehmen. Deswegen
haben wir am Samstag, den 10.04.10, um 14 Uhr das ehemalige Cafe Jenseits
besetzt und dort einen Umsonstladen aufgemacht. Denn wir wollen keinen
Starbucks, keinen Yuppieladen, noch mehr Kommerz in unserem Kiez (siehe
auch unsere PM zur Aktion unter http://wba.blogsport.de).

Es handelte sich um eine friedliche und bunte Aktion, die auf sehr grosse
Zustimmung bei Anwohner_innen, Passant_innen und Gewerbetreibenden stiess:
mit Kaffee und Kuchen, Spielen und Diskussionen, der Eröffnung des neuen
Umsonstladens.

Um 19.30 kam es zu einem massiven und brutalen Polizeieinsatz am
Heinrichplatz. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich kein Mensch mehr im Laden
auf, auf dem Heinrichplatz selbst befanden sich insgesamt höchsten 50
Leute – deutlich weniger als Polizeibeamte. Obwohl es keinerlei Bedrängung
der Polizeibeamten gab und diese sich in der absoluten Mehrheit befanden,
stürmten immer wieder Gruppen von Polizisten ohne Vorwarnung völlig
grundlos auf einzelne Kleingruppen zu und misshandelten die Menschen
massiv mit Schlägen und Tritten. Ebenso grundlos wurden im Rahmen dieser
Prügelorgie mindestens drei Menschen festgenommen.

Silke März, die seit 18 Jahren am Heinrichplatz wohnt: „Ich habe nur
selten eine derart grundlose und ausufernde Polizeigewalt gesehen.
Offensichtlich ging es hier um Einschüchterung. Sollte durch das
Zusammenschlagen völlig friedlicher Menschen kurz vor dem ersten Mai ein
Zeichen seitens der Polizei oder der verantwortlichen Politik gesetzt
werden?“ Sonja März weiter: „Wir haben heute ein völlig friedliches
Zeichen gegen steigende Mieten und Verdrängung gesetzt. Wenn aber Polizei
und Staat auf unsere friedlichen Aktionen mit brutaler Gewalt reagieren,
werden immer mehr Menschen die Meinung vertreten, dass es notwendig ist,
dieser Gewalt einen entschlossenen Widerstand entgegenzusetzen.“

Sonia Gonzales, ebenfalls seit vielen Jahren am Heinrichplatz wohnhaft:
„Der heutige Tag hat wieder einmal gezeigt, dass hohe Profite für
Immobilienbesitzer mit allen Mitteln durchgesetzt werden sollen, auch mit
dem Mittel des Polizeiknüppels.“

Doch die Proteste gegen steigende Mieten und Verdrängung lassen sich durch
die Polizeigewalt nicht einschüchtern – im Gegenteil! Bereits unmittelbar
nach dem Polizeieinsatz am Heinrichplatz wurde für kommenden Samstag eine
Kundgebung angemeldet.

Kundgebung: Umsonstladen statt Yuppie-Bar am Heinrichplatz – jetzt erst
recht! Steigende Mieten stoppen, Polizeigewalt entgegentreten!

Samstag, 17.04.10, 15 Uhr, Heinrichplatz in Kreuzberg 36, vor dem
ehemaligen Cafe Jenseits

Unsere Wohnungen, unser Kiez – kein Ort für fette Investoren-Profite!

Anwohnerinnen und Anwohner aus Kreuzberg 36 und ihre Freundinnen und Freunde

Presse-Kontakt: Tel. 01578 – 721 07 77

Sonntag, 11.04.2010


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