Ufer für Alle!

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Besser spät als nie: Ein Beitrag zum Thema „Mieterhöhungen und Verdrängung in Alt-Treptow“

Am 13. Mai fand auch als Alternative zu den erbärmlichen Männertagsbesäufnissen ein Picknick unter dem Motto „Ufer für Alle!“ auf dem Nachbargrundstück der gelben Stadtvilla am Kanalufer längs der Lohmühlenstraße statt. Der Ort ist Programm, das erst vor kurzem fertig gestellte Gebäude bietet wenigen Mieter_innen besonders exklusiven Wohnraum mit Blick auf Wasser und Grünanlagen. Die Mieten hier betragen etwa das 3fache des Alt-Treptower Durchschnitts und tragen ab sofort zur Erhöhung des Mietspiegels bei und dienen somit direkt zur Legitimation von Mieterhöhungen.
Damit die einfachen Spaziergänger_innen nicht in Versuchung kommen, die vormals auch von ihnen genutzte Grünfläche rund um die Villa zu betreten, wurden zahlreiche Kameras montiert und ein stabiler Zaun zum Schutz der neuen Nachbar_innen gezogen. Stabil? Keine Zaun steht ewig! Zur großen Freude der versammelten Picknicker_innen war der Zaun zum Zwecke der nachbarschaftsübergreifenden Kommunikation in der Nacht zuvor zumindest in Teilen entfernt worden.
So kam es denn auch zu Begegnungen der konfrontativen Art. Beispielsweise berichtete eine Bewohnerin der Stadtvilla am offenen Mikrofon von der Bedrohungssituation, der sie sich seit dem Einzug ausgesetzt fühlt: Mit Schneebällen wurde auf ihr Fenster geworfen und Farb“bomben“ verunstalteten die Fassade. Sie selber sei kurz vorher aus ihrem alten Mietshaus verdrängt worden, wo es jährlich horrende Mietserhöhungen gegeben habe. Nun hätte sie samt Familie keine andere Wahl gehabt, als in dieses Haus zu ziehen. Gegen die Aktion „Picknick für ein Ufer für Alle“ hätte sie nichts, mensch solle aber vernünftig sein und die Schutzbedürfnisse der Villabewohner_innen akzeptieren. Etwas deutlicher artikulierte diese Bedürfnisse ihr Ehemann. Übermütigen, die den offenen Zaun zum Anlass einer Geländeerkundung oder zum provokanten Schaukeln genutzt hatten beschimpfte und bedrohte er, später filmte er die Picknickgesellschaft. Noch bedenklicher bis hin zu tottraurig war die Reaktion des vielleicht 5jährigen Sohnes der beiden: dass es seine Schaukel sei und sein Garten wusste er reklamieren.
Die Aktion auf dem benachbarten und noch unbebautem Grundstück verlief über viele Stunden mit Lagerfeuer, köstlichem Kuchen, Infotisch, Guerillagardening (mehrere Pappeln wurden gepflanzt) und Spielen für Kinder und Verwachsene. Ein Höhepunkt stellte der Auftritte der Bausenatorin Junge-Reiher dar, kicherend ergriff sie das Mikrofon und erstaunte die Zuhörer_innen mit überraschender Ehrlichkeit: „Heute schnack ich, morgen bau ich, übermorgen vetreib ich sie aus ihrem Kiez. Ach wie gut dass niemand weiss…“

FAZIT: Eine nette Aktion, mit vielen Berührungsmomenten zu „normalen“ und „besonderen“ Mieter_innen und eine gute Möglichkeit das Thema der Mieterhöhung und Verdrängung aus dem Kiez öffentlich zu thematisieren und kontrovers zu diskutieren.
Kleine Basisaktionen erheitern den Alltag und helfen aus dem Szenesumpf!

ANKÜNDIGUNG: Mieter_innenVollVersammlung am Sonntag dem 30.5. um 16:00 Uhr, Schmollerplatz 1