PM Zur Besetzung des Bethaniens

Pressemitteilung 17.06.2010

Am Samstag den 12. Juni wurde als direkte Aktion für ein selbstverwaltetes soziales Zentrum der Nordflügel des Bethanien besetzt. Diese Aktion richtet sich auch gegen den Abbau sozialer Einrichtungen und gegen den durch Aufwertung bedingten Verdrängungsprozess von finanzschwächeren Menschen aus der Innenstadt. Da Raumnutzung von Vermögensprivilegien abhängig ist, ist es doch naheliegend, sich leerstehende Räume anzueignen und sie somit einer kapitalistischen Verwertung eines Immobilienmarktes zu entziehen.
Unser Ziel war die Öffnung des ehemaligen Künstlerhauses für hierarchiefreie soziale, politische und künstlerische Projekte in Selbstverwaltung. Durch eine offene Bürger_innenversammlung sollte eine Plattform geschaffen werden für die Entwicklung gemeinsamer Nutzungsperspektiven. Dies wurde verhindert durch das der Polizei immanente aggressive und brutale Eingreifen. Dadurch bestätigte sich wieder, dass das Recht auf Eigentum wichtiger ist als konkrete Bedürfnisse und Bedrohungen von Menschen.
Das Wissen um den Auszug des Künstlerhauses und die Sorge, dass die freiwerdenden Räume aufgrund ihrer relativ hohen Kosten kommerzialisiert werden, ließ die Wahl auf den Nordflügel fallen. Es mag vielleicht an dem Ego eines Herrn Tannert kratzen, aber es lag den Besetzer_innen nicht an einer Personifizierung der Kritik am etablierten Kunstbetrieb.
Natürlich ist es richtig den Kunstbetrieb zu kritisieren, speziell ihrem unreflektierten Umgang mit der eigenen Rolle im Gentrifizierungsprozess, jedoch war und ist Ziel der Aktion die Kritik am Immobilienmarkt als solchen und die Schaffung von kostenunabhängigen Projekträumen. Diese Aktion steht im Kontext einer permanenten Auseinandersetzung mit kapitalistisch bedingten Unterdrückungs-, Verdrängungs- und Ausschlussmechanismen. Es stellt keinen Angriff auf eine halbelitäre Künstler_innen GmbH dar.
Solange das Grundbedürfnis von Menschen nach einem Obdach und Selbstverwirklichung der Marktlogik unterworfen ist, wird es auch weiterhin zu Verdrängung, Obdachlosigkeit und Todesfällen kommen, sowie zu Protesten und Widerstand dagegen.

Unterstützer_innen der Nordflügelbesetzung


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