PM zu einem Agenten der Gentrification

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Wir bleiben ALLE!

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Pressekontakt:
wba-oeffentlichkeit [ät] riseup.net

Pressemitteilung der Wir bleiben Alle! – Kampagne zur meco Aktiv gGmbH:

(1) Meco Aktiv gGmbH unterstützt neoliberale und grünflächenfeindliche Stadtpolitik und wirbt dabei mit Umweltfreundlichkeit
(2) Meco Aktiv gGmbH unterstützt aktiv Verdrängung von Mieter_innen auf kultureller Ebene
(3)
Meco Aktiv gGmbH beutet Arbeitslose in Zwangsarbeitsverhältnissen aus

Begründung:

In den letzten Wochen sind in Friedrichshain des öfteren Flyer der mecoAktiv gGmbH aufgetaucht. Auf diesen wirbt die „gemeinnützige“ GmbH mit Formulierungen wie „Sauber ist schön! Bitte entsorgt euren Müll in die Behälter. Die Natur wird es euch danken! Sauber kommt gut!“. Das klingt für manche auf den ersten Blick nach einem legitimen Kommentar zur Situation im Kiez. Wir bleiben Alle! muss an dieser Stelle jedoch massive Kritik üben. Denn:

1) „Die“ Natur gibt es in Friedrichshain gar nicht. Was in den letzten 20 Jahren von der neoliberalen Stadtplanung zugelassen wurde, sind Pocketparks und 5×5 Meter Grünflächen. Freiflächen wurden zur Schaffung von Luxusimmobilien konsequent zugebaut, um den Profit von Eigentümern, Investoren und Stadt zu maximieren. Versuche Selbstverwirklichung im Grünen umzusetzen, wurden oder werden von der Stadt mit brutaler Gewalt vernichtet. Der Gemeinschaftsgarten Rosa Rose in Friedrichshain oder der Hirschhof in Prenzlauer Berg sind die prominentesten Beispiele. Also liebe mecoAktiv gGmbH, wenn ihr euch für die Natur einsetzen wollt, verhindert die Bebauung des Spreeufers und setzt euch für selbstverwaltete Grünflächen abseits von Eigentumslogik und Arbeitszwang ein!

2) Wer bestimmt denn, dass sauber schön ist und wer definiert überhaupt was sauber ist? Ihr vertretet anscheinend die Auffassung der Berliner Stadtpolitik, dass alles gleichgemacht, glatt, mundgerecht und konsumierbar werden muss. Aber ein bisschen Dreck gehört dazu. Wir haben uns auch in nicht von vorne bis hinten durchsanierten Kiezen wohlgefühlt. Euer Aufruf versucht Menschen in den kapitalistischen Aufwertungsprozess von Stadtteilen einzubinden, indem ihr uns vormacht, es sei unser Bedürfnis so zu leben wie ihr es für richtig haltet. Unsere Bedürfnisse sind aber in erster Linie bezahlbarer Wohnraum und ein bezahlbares Angebot tagtäglicher Dienstleistungen. Diesen Bedürfnissen wird aber nach den Prozessen der Aufwertung nicht mehr nachgekommen. Die Aufwertung findet nicht nur durch Sanierungen statt, sondern auch durch Lebensstilwandlungen und durch den Wandel der tagtäglichen Atmosphäre. Den Prenzlauer Berg haben Akteure wie ihr schon in einen komplett homogen spießigen Bezirk verwandelt. Wir brauchen aber Vielfalt und sichtbare Widersprüche gehören dazu. Punker, Obdachlose, Alkoholiker, Junkies, randalierende Jugendliche etc sind alle auch Produkte der unmenschlichen Verwertungslogik dieses Systems und dieser Stadtpolitik. Und ihr mischt fleißig mit. Wir werden Widerstand leisten!

3) Die meco Aktiv gGmbH ist eine durch und durch kapitalistische Gesellschaft, die mit der Ungerechtigkeit der heutigen Verhältnisse Geld verdient. Gemeinnützig ist hier nur der Name. Wir zitieren von der Website: „Die meco Aktiv gGmbH ist ein arbeitsmarktpolitischer Dienstleister und bietet die Entwicklung und Umsetzung von Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten und Angeboten nach dem Sozialgesetzbuch II und III an. […] Hierzu arbeitet die meco Aktiv gGmbH eng mit öffentlichen Einrichtungen, insbesondere den JobCentern der verschiedenen Berliner Bezirke zusammen. Grundlage der Zusammenarbeit sind zukunftsorientierte, sinnvolle Beschäftigungsprojekte, die mit allen Kundengruppen, d. h. den JobCentern einerseits und den Erwerbslosen und Einsatzorten andererseits vereinbart werden.“
Die meco Aktiv gGmbH profitiert also von den unmenschlichen Gesetze dieses Sozialstaates. Erwerbslose werden gezwungen für die mecoAktiv gGmbH zu arbeiten. Mit ihren Arbeiten wird – wenn es sich so verhält wie beim Großteil aller beschäftigungsfördernden Maßnahmen – Menschen nicht geholfen, sie werden eigentlich nur schikaniert. Noch dazu werden sie gezwungen in einem Prozess mitzuwirken, der dazu führt, dass sie sich bald das Leben in ihrem Kiez nicht mehr leisten können. Dieser Umstand ist nicht hinzunehmen. Wir rufen die Zwangsbeschäftigten dazu auf, sich um diese Arbeiten zu drücken wo es nur geht. Sabotiert den Prozess, organisiert euch gegen diese Zustände!

Der Prozess der Aufwertung und Verdrängung wird Gentrification oder Gentrifizierung genannt. Die MecoAktiv gGmbh tritt als Agent der Gentrifizierung auf, profitiert von ihr und wirkt so an der Verdrängung 10000ender Menschen aus ihrem sozialen Umfeld mit.

Adressaten dieser Stellungnahme sind zu allererst die meco Aktiv gGmbH. Aber auch der Berliner Senat, die SPD, die Linkspartei, die verschiedenen Quartiesmanagements, Yuppies, Eigentümer, Immobilienmakler, Spekulaten und andere Akteursgruppen auf der Seite des Verdrängung dürfen sich angesprochen fühlen. Diese Stadt gehört allen! Wir nehmen es nicht hin, dass die Qualität unseres Lebens zunehmend zur Ware wird. Wir kämpfen für ein solidarisches, selbstorganisiertes Berlin jenseits kapitalistischer Profitlogik.

Die Stadt gehört allen!

Wir bleiben Alle!