[Dresden] Brandanschlag auf alternatives Wohnprojekt

Quelle: Indymedia

In der Nacht vom 18. zum 19. August 2010 gegen 3 Uhr morgens wurde auf das alternative Wohnprojekt „Praxis“ in Dresden-Löbtau ein Brandanschlag verübt. Kurz nach 3 Uhr bemerkten die Bewohner den Brand und versuchten selbstständig zu löschen, bekamen den Brand jedoch nicht mehr unter Kontrolle und begannen die restlichen Hausbewohner zu alarmieren und zu evakuieren. Mittlerweile hatten verschiedene Personen aus der Nachbarschaft, die das Feuer ebenfalls bemerkten die Feuerwehr alarmiert. Diese rückte mit einem Großaufgebot an und bekam das Feuer nach der vollständigen Räumung des Hauses glücklicherweise schnell in den Griff. Größere Schäden wurden durch umsichtiges Löschen vermieden, so dass der Schaden auf das Zimmer begrenzt blieb. Das Zimmer selbst ist jedoch vorerst unbewohnbar und das Inventar durch Brand und Rauchschäden vernichtet.

Dass nicht mehr passierte liegt einzig daran, dass das Feuer relativ schnell entdeckt wurde und das Wohnprojekt die Fenster mit Schutzvorrichtungen gesichert hatte, so dass kein Brandsatz weit ins Innere gelangen konnte. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Feuer weiter um sich gegriffen hätte. In der Wohnung eine Etage höher schlief zu diesem Zeitpunkt direkt über dem ausgebrannten Zimmer eine junge Familie mit ihrem knapp drei Monate alten Baby. Der Bewohner des Zimmers selbst war aus purem Zufall nicht anwesend. Dass er sich noch hätte retten können, ist angesichts der starken Rauchentwicklung die stattgefunden hatte, ziemlich unwahrscheinlich, daher man muss hier Tötungsvorsatz unterstellen.

Wie das Feuer konkret ausgelöst wurde ist noch unklar, auch die Brandexperten der Kriminalpolizei gehen von Brandstiftung aus. Ein extra aus dem Hof geholter Stuhl, um besser ans Fenster ranzukommen zeigt, dass es sich nicht um eine zufällige Tat handelt. Bereits zwei Nächte zuvor, möglicherweise anlässlich des Todestages von Hitlerstellvertreter Rudolf Hess wurden unter anderem in dem jetzt ausgebrannten Zimmer die Fensterscheiben eingeworfen. Dass Gerücht in der Presse, dass in der Nacht zuvor in der Nähe eine angebliche Naziveranstaltung in einem Imbiss angeblich gestört worden wäre, kann man getrost als Presse-Ente betrachten.

Worum handelt es sich nun bei dieser „Praxis“ bzw. diesem Haus, das in Löbtau von Nazis und ihren Sympathisanten so viel Hass auf sich zieht, dass auch Tote billigend in Kauf genommen werden. In der Neustadt würde so ein Haus gar nicht weiter auffallen. Es handelt sich um ein unsaniertes Haus, welches billigen Wohnraum mit viele Gestaltungsmöglichkeiten auch für große Wohngemeinschaften bietet. In dem sich verschiedenste Menschen aus dem alternativen Spektrum unter anderem Hippies, Studenten, linke Aktivisten und Subkulturliebhaber angesiedelt haben. Diese stehen in lockerem Austausch mit Bewohnern in umliegenden Häusern, die ähnlich strukturiert, sowie dem schon relativ alteingesessen selbstverwalteten Studentenwohnheim „WUMS“ ebenfalls auf der Columbusstraße. Letztendlich ist das auch mit eine Folge der schleichenden Mietsteigerungen in Dresden-Neustadt, dass die Menschen anfangen sich in anderen Stadtteilen, wie eben auch in Löbtau ansiedeln. Die „Praxis“ einer der beliebtesten Treffpunkte der alternativen Szene in Löbtau und steht daher natürlich im Fokus aller, die sowieso einen Hass auf alle Alternative, Linke bzw. prinzipiell gegen alles in ihren Augen „Unnormale“ haben. Der Großteil des stark kleinbürgerlich geprägten Stadtteil Löbtaus nimmt es eher gelassen. Vom direkt angrenzenden Spielplatz gibt es eben oft scheele aber auch neugierige Blicke, den Meisten ist es wohl eher ziemlich egal. Dennoch müssen sich Menschen die aus dem Haus kommen, auch schon mal anhören, dass sie stinken, und sie alle arbeitscheu wären. Was zwar nicht schön, aber auch nicht ungewöhnlich ist. Es gab auch schon Kommentare, wie „die Bude müsste man anzünden!“, was jetzt offenbar zum ersten Mal versucht wurde in die Tat umzusetzen. Auch in der Vergangenheit ging schon mal die eine oder andere Scheibe kaputt. Die Neonazis unter ihnen der stadtbekannte Stanley Nähse schauten auch mal am Hitlergeburtstag diesen Jahres vorbei und verschandelten unter anderem den neu gebauten und überaus beliebten Spielplatz neben der „Praxis“. Viele Freunde haben sie sich mit dieser Aktion in der Nachbarschaft sicher nicht gemacht und außer vereinzelten Aufklebern, war erst mal nichts wahrzunehmen.

Wer jetzt genau und was hinter den Angriffen in der letzten Nacht steht, ist momentan noch eher unklar. Da es sich vermutlich um dieselben Täter wie zwei Nächte vorher anlässlich des Todestages von Rudolf Hess handelt, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit von Nazis ausgehen und es wurde deutlich gezeigt, wie wenig wert den nazistischen Angreifern Menschenleben sind. Da die Polizei die Täter vermutlich nie fassen wird, können die Bewohner jetzt jede Unterstützung gut gebrauchen.