[Hamburg] Hausbesetzung in der Juliusstr. 40

Quelle: Indymedia

Gestern wurde im Hamburger Schanzenviertel ein trotz Luxussanierung länger leerstehendes Haus besetzt!
Nicht nur Hamburger Normalzustände: Steigende Mieten, zunehmender Mangel an günstigen Wohnungen, Luxussanierungen und Neubau von immer mehr Eigentums-wohnungskomplexen – auf der anderen Seite Leerstand von über 1 Million qm Büro-raum, erstaunlicherweise jedoch auch von mehr und mehr Wohnungen. Das Haus in der Juliusstraße zum Beispiel lässt Vermieter Landschulze (dem weitere Häuser mit leer stehenden Wohnungen gehören: Susannenstr. 6 vorne, hinten A und B, 9A und 43, Beim Grünen Jäger 2, 6 und 16) seit vier Jahren so gut wie leer stehen. Daran änderte auch der Abschluss der Sanierung im Jahr 2008 nichts – lediglich der Imbiss im Erdgeschoss ist seitdem wieder eingezogen. Möglicherweise wird hier bereits auf eine Wertsteigerung nach der Räumung der Roten Flora spekuliert? Im Schnecken-tempo werden einzelne Fliesen verlegt und sonstige Arbeiten hinausgezögert, um gegenüber dem Bezirksamt den Rücken frei zu haben.

Der Widerstand gegen diese Zustände breitet sich aus. SAGA-Mieter_innen wehren sich gegen Mieterhöhungen, Fette-Mieten-Partys machen Besichtigungen von über-teuerten Wohnungen zu unvergesslichen Events. Am 23. Oktober findet eine Demo statt gegen Büroleerstand und Wohnungsnot zum Astraturm – der zu 70% leer steht. Aber auch der Klassiker Hausbesetzung ist wieder im Kommen, wie in letzter Zeit in der Marktstraße oder im Erotic Art Museum.

Die Besetzer_innen erklären in einem Flugbaltt:

„Wir nehmen uns die Stadt – Wir nehmen uns Häuser!
Sollte heute (wie in Hamburg üblich) zeitnah geräumt werden, halten wir es für wich-tig, für den Widerstand gegen diese Normalzustände eine maximale Öffentlichkeit zu schaffen und auf vielfältige Art und Weise deutlich zu machen, was wir von Leer-stand, polizeilicher Räumung und ähnlichen Unzumutbarkeiten halten.
Privatisierung und Ökonomisierung städtischer Räume, Gentrifizierung und Vertrei-bung nicht verwertbarer Menschen sind Teil derselben Standortpolitik. Genau des-halb haben wir entschieden, nicht einen vergammelten Altbau, sondern zukünftige Eigentumswohnungen zu besetzen.
Nehmt, was euch gefällt! Luxus für alle!“

Auf weitere aktuelle Entwicklungen in Hamburg wird weiterhin Bezug genommen. Zunächst auf die Situation der (direkt neben dem besetzten Haus gelegenen) Roten Flora:

„Wir nehmen uns Räume!
Seit über einem Jahr werden und wurden in Hamburg unter dem Stichwort Recht auf Stadt die unterschiedlichsten Räume und Projekte besetzt, angeeignet, wieder belebt und (zwischen)genutzt. Legal, illegal, temporär oder dauerhaft – es wird nicht mehr mit demütiger Anspruchslosigkeit abgewartet, bis die Stadt ein Stadtteil- oder Kultur-zentrum zur Verfügung stellt.
Zur gleichen Zeit startet der so genannte Besitzer der Roten Flora in den Medien ei-nen langfristig angelegten Angriff auf das Projekt. Im Hinblick auf seinen 2011 aus-laufenden Vertrag mit der Stadt Hamburg möchte Kretschmer die Immobilie mög-lichst gewinnbringend abstoßen, sich dabei möglichst wichtig machen und seinen elitären Kulturbegriff unter die Leute bringen. Was man sich darunter vorzustellen hat, kann man live im Viertel begutachten: Kommerz, Mainstream und billige Arbeits-kräfte bilden die Eckpfeiler des Kulturstandorts Schanze. Die Flora braucht keine In-vestoren, Eigentümer oder Besitzer, egal ob städtisch oder privat. Sie braucht auch keine Verträge oder Verhandlungen, sondern weitere besetzte Häuser in der Nach-barschaft!
Wir verstehen uns als Teil einer Kampagne für selbst organisierte Räume, gegen Privatisierung und Kommerzialisierung. Wir sind solidarisch mit allen bedrohten Pro-jekten in Hamburg, Berlin und anderswo.
Rote Flora bleibt!“

Anschließend wird zu den Aktivitäten gegen die Innenministerkonferenz aufgerufen:

„Wir nehmen uns die Straße!
Im November findet in Hamburg die diesjährige Innenministerkonferenz statt. Diese Veranstaltung steht für alltägliche Repression wie Verschärfung von Demonstrations- und Versammlungsgesetzen, Verlagerung von Kompetenzen von der gerichtlichen auf die polizeiliche Ebene, Vertreibung von und Ortsverbote für als unerwünscht gel-tende Gruppen, Überwachung, Erfassung und Datenspeicherung auf einem noch nicht da gewesenen Niveau – sowohl als Ausschlussinstrument, wie rassistische Flüchtlingspolitik in Form von Abschiebungen und Residenzpflicht, mehr und mehr auch als Moment ganz normaler Regierungstätigkeit und Kontrolle gegenüber der gesamten Bevölkerung. Hinzu kommt in diesem Jahr die Extremismusdebatte, die Menschen, die Polizeiautos beschädigen, als Staatsfeind Nr.1 und schlimmer als die Nazis dämonisiert und ganz eigene Straftatbestände neu erfindet.
Extremismusdebatte, Repression und Ausschluss ebenso wie Kriminalisierung von Hausbesetzer_innen und Gentrifizierungsgegner_innen und faktische Demonstrati-onsverbote an Orten wie der Innenstadt, die man exklusiv für Konsum und Touris-mus reservieren möchte, sind Anlass und Thema unterschiedlichster Aktionen vom 13. bis 19. November.
IMK versenken!“