[Köln] Neues aus dem Autonomen Zentrum

Quelle: Indymedia

Trotz eines sechsmonatigen Duldungsstatus wandten sich die Besetzer_innen des Autonomen Zentrums in der Wiersbergstraße 44, Köln-Kalk, am 19. September mit einem Legalisierungsvorschlag an die Eigentümerin des Gebäudes. Eine Antwort folgt drei Wochen später: die Stadtsparkasse Köln-Bonn kappt die Wasserzufuhr zum besetzten Haus. Gleichzeitig gibt es gute Neuigkeiten: Das Haus in der Wiersbergstraße wird von der Stadt gekauft. Bereits im August wurde dem Autonomen Zentrum die Stromversorgung abgestellt. Beides geschah ohne Vorankündigung, was schwere Folgen hätte nach sich ziehen können. Lutz, ein Besetzer, ist aufgebracht: „Als damals die Lichter ausgingen war es nach 21 Uhr und es haben sich viele Menschen im Haus aufgehalten. Es hätte sonst was passieren können! Und nun stellen die das Wasser einfach so ab, wo sie ganz genau wissen wie viele Menschen hier auf trinkbares Wasser und funktionierende Sanitäranlagen angewiesen sind. Das ist verantwortungslos!“ Fallbezogene Gerichtsurteile früherer Hausbesetzungen untersagen aus hygienischen Aspekten ausdrücklich das Abstellen von Wasser. Insbesondere müssen die Besetzter_innen der Wiersbergstraße auch über die Auflagen von Brandschutzmaßnahmen hinaus weitere Vorkehrungen treffen.

In Ihrem Legalisierungsanschreiben an die Sparkasse berufen sich die Besetzer_innen auf die Gutachten des Architekten Bodo Marciniak und des Bauaufsichtamtes der Stadt Köln, in denen beide eine Eignung des Gebäudes zur Nutzung als Veranstaltungsort bestätigen. Des Weiteren erklärten sie sich bereit, im Rahmen eines legalen Mietverhältnisses alle
Renovierungsarbeiten am Haus und die Nebenkosten zu übernehmen. Sie sind bereit, einen Verein zu gründen, der der Eigentümerin als Rechtspartner dienen soll. Dazu Peter aus dem Autonomen Zentrum: „Unser Legalisierungsvorschlag bietet allen Parteien Vorteile. Wir könnten das Haus zu realistischen Konditionen legal nutzen – und die Sparkasse würde
Kosten sparen, weil wir es in Stand halten und alle Nebenkosten übernehmen. Der derzeit von der Sparkasse beschäftigte und sowieso überflüssige Sicherheitsdienst würde auch wegfallen.“

Die Sparkasse hat sich einem direkten Dialog mit den Hausbesetzern verschlossen. Zwei Tage nach Versand des Schreibens wurde jedoch bekannt, dass die Stadt Köln die Sparkassen-Tochterfirma Savor Immobilien, die Eigentümerin der Wiersbergstraße 44 ist, kaufen will. Dazu Besetzer Peter: „Letztendlich freuen wir uns, dass wir ab dem nächsten Jahr direkt mit der Stadt Köln über die Legalisierung des Autonomen Zentrums verhandeln können. Wir sehen die Stadt in der Pflicht, die Etablierung des Autonomen Zentrums als wichtigen Ort für Politik, Kunst und Kultur anzuerkennen. Die in unserem Schreiben an die Sparkasse genannten Eckpunkte für eine Legalisierung gelten natürlich auch für die neue Eigentümerin.“ Die Wassersperre sieht er eher als Herausforderung und eine Bestätigung: „Der unproduktive Dialogverlauf der letzten Monate zeigt mir, dass mein Einsatz
für die Schaffung von Freiräumen notwendig ist. Das Anliegen hunderter Menschen von Köln, speziell im rechtsrheinischen Bereich, wird nicht gehört. Ja, sogar angegriffen. Aber eben dieses Verhalten gibt uns die Ausdauer weiter zu machen. Wir haben eine Lösung für die Stromversorgung gefunden, also werden wir uns von diesem Problem auch nicht einschüchtern
lassen!“

Die Besetzer_innen der Wiersbergstraße werden in den nächsten Monaten ein Legalisierungskonzept fertigen, dass der Stadt direkt nach dem Kauf des Gebäudes vorgelegt werden kann.

Währenddessen feiert das Autonome Zentrum am Samstag, den 16.Oktober, sein halbjähriges Bestehen. Zu diesem Anlass gibt es ab 18:00 Uhr ein Veranstaltungsprogramm mit Theater, Kino, Konzerten und einer Infoveranstaltung. Jede Woche finden weiterhin zwischen 5 und 15 Veranstaltungen im Autonomen Zentrum statt.