Kiel: Rigaer-Soli-Demo

Wie (kurz) vorher angekündigt sammelten sich heute gegen 17 Uhr ca. 50 Leute in Kiel-Gaarden um ihre Solidarität mit dem von den Bullen angegriffenen Projekt Rigaer 94 in Berlin auszudrücken.
Die Demo ging untermalt von einigen bengalischen Feuern, Geböller und ein paar Transparenten zum Thema antiStaat/Repression über die Iltisstraße zum Karlstal. Über Megaphon wurde unsere Sicht der Dinge über den Bulleneinsatz vom 29.1 hinausposaunt. Ein Flugblatt, in dem die Geschehnisse in Berlin und Bullengewalt in Gaarden aufgegriffen wurden, verteilte sich prächtig. Ziemlich schnell folgten auch schon zwei Mannschaftswagen BFE (Beweissicherungs-Festnahmeeinheit aus Eutin) der Demo. Wie zu erwarten war konnten die Kieler Bullen auf einen Zug BFE zurückgreifen, der aufgrund einer Rockerrazzia in der Stadt war. Auf dem Vinetaplatz angekommen, zogen die Bullen noch mehr Kräfte zusammen und die Demo löste sich spontan auf und entschwand. Die Bullen ließen es sich nicht nehmen, noch drei Personalienfestellungen durchzuführen.

Im Großen und Ganzen konnte ’ne knackige, kurzmobilisierte und unangemeldete Spontandemo durchgezogen werden. Trotz massiver Bullenpräsenz wurde sich entschieden die Demo zu starten.

Liebe und herzliche Grüße gehen raus an die Genoss_innen, die in ihrem Haus von den Bullen überfallen, verhauen und verhaftet wurden, an alle Menschen, die den Genoss_innen mit Tat, Kraft und Hilfe zur Seite stehen.
Ein Angriff auf die Rigaerstr. 94 ist ein Angriff auf linke, widerspenstige, den Normalbetrieb störende Strukturen. Scheissegal ob in Berlin oder sonstwo. Also ein Angriff auf uns und das schicke, wilde und gute Leben.

Macht Aktionen-Schafft Öffentlichkeit!

Das verteilte Flugblatt/Redebeitrag:

Kein Bock auf Bullen, Kontrolle und Law and Order! Weder in Gaarden, Berlin oder sonstwo!
Wir ziehen heute lautstark durch die Straßen Gaardens, um unsere Wut über einen Polizeiüberfall auf das linke Hausprojekt „Rigaer94″ in Berlin Luft zu machen. In der Nacht zum 29.1. stürmten die Bullen die Kneipe und alle Wohnungen des Hauses unter massivem Einsatz von Pfefferspray. Mehrere Verletzte und insgesamt 30 in Gewahrsam genommene Genoss_innen waren die Bilanz der Nacht.
Natürlich wird das nun bei vielen die Frage aufwerfen, was wir hier in Kiel-Gaarden mit den Geschehnissen in Berlin zu tun haben. Nun, dieser brutale Bullenangriff auf unsere Freund_innen in Berlin war ein Ausdruck der selben beschissenen, unterdrückerischen Verhältnisse, in de-nen auch wir alltäglich gezwungen sind zu leben.

Stress mit Bullen – das kennen wir auch aus Gaarden!
Hier in Gaarden ist es ein mehr als offenes Geheimnis, dass – ob jung, ob alt – so ziemlich jede_r von uns schon einmal unliebsame Begegnungen mit der Po-lizei gemacht hat. Bewohner_innen des Viertels werden unter Generalverdacht gestellt, indem ganze Straßenzüge zu angeblichen Gefahrengebieten erklärt werden und immer, wenn die Polizei gerufen wird, kann mensch sich sicher sein, dass die Situation endgültig eskaliert. Mit Schlagstock und Pfefferspray ver-suchen die Bullen hier Tag für Tag, den Anwohner_innen eines sogenannten „Problemstadtteils“ ihre Ordnung einzuprügeln.
Egal, ob „guter Bulle“ oder „böser Bulle“: Menschen auf offener Straße anzuhalten, sie zu kontrollieren, Anzeigen zu schreiben, sie zu verhaften, in ihre Wohnungen einzudringen und in letzter Konsequenz zu schlagen, einzusperren oder abzuschieben, geht gar nicht freundlich. „Freund und Helfer“? Hau mir ab! Es ist nicht verwunderlich, dass dieser Slogan ausgerechnet während der Naziherrschaft in Deutschland Verbreitung fand…

BRD-Bullenstaat, wir haben Dich zum Kotzen satt!
Das, was anhand beider Beispielen deutlich wird, sind Widersprüche, die eine menschenfeindliche Politik verursacht. Und schon sind Vinetaplatz und die Ri-gaerstraße gar nicht mehr soweit voneinander entfernt, wie es zunächst vielleicht scheinen mag. Das Ziel des Bulleneinsatzes in Berlin war es, unliebsame Linke, also Leute, die politischen Widerstand gegen Bullen, Nazis, Rassisten und andere Arschlöcher leisten, anzugreifen und ihnen das Maul zu stopfen.
Getroffen hat es diesmal einige Bewohner_innen der „Rigaer94″, gemeint sind alle Menschen, die es nicht hinnehmen wollen, tagtäglich kontrolliert, herum geschubst und in fremdbestimmte Verhältnisse gepresst zu werden.Wir wollen keine Bullen, weder auf unseren Plätzen und Straßen, noch in unseren Woh-nungen oder auf unseren Partys. Wir haben keinen Respekt vor Berufsschläger_innen, die uns beleidigen und uns ihre Autorität aufzwingen wollen. Wir wol-len unseren Stadtteil lieber selber machen: Ohne uns tagtäglich gegenseitig abzuziehen oder grundlos auf die Fresse zu hauen, ohne unsere Ellenbogen raus-zuholen und in ewigem Wettstreit zu allen anderen Menschen zu leben. Und ohne Bullen, Nazis, Chefs und andere Unterdrücker!

Wir wollen einen Stadtteil und eine Welt, in der Respekt und gegenseitige Unterstützung herrschen und nicht irgendwelche unifor-mierten Berufsschläger_innen. Scheißegal, welche Hautfarbe, welches Geschlecht, welche Religion oder Nichtreligion, ob mit bevorzugten Lieblingsrauschmittel oder komplett nüchtern:
Wir sind alle Menschen, wir wollen selbstbestimmt, frei und ohne Angst leben!

Infos zum Haus/Soliaktionen etc: http://rigaer94.squat.net/

Video des Angriffs: http://www.liveleak.com/view?i=67e_1327944917

Mobilisierungsseite gegen den Polizeikongress: http://www.polizeikongress.tk/