Jede Räumung hat ihren Preis – Liebig 14 verteidigen! [pdf] [doc]

Die Liebig 14, eines der letzten ehemals besetzten politischen Wohn- und Kulturprojekte in Berlin, steht kurz vor der Räumung. Seit dem 13. November liegen für alle Einzelmietverträge des Hauses Räumungstitel vor.
Seit der Besetzung 1990 ist die Liebig 14 Teil autonomer Infrastruktur in Berlin. 1992 erlangte das Hausprojekt durch die Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain (WBF) Verträge. 1999 wurde das Haus schließlich an die privaten Investoren der LiLa GbR verkauft. Offizielle Eigentümer sind somit die beiden Gesellschafter Edwin Thöne und Suitbert Beulker, welche seit Jahren versuchen die Bewohner_innen mit skurrilen, teils illegalen Maßnahmen loszuwerden. Schließlich wurden die Zwischentür sowie Mietminderungen Gegenstand endloser Gerichtsverfahren. Letztendlich wurden so Räumungstitel erwirkt. Einer polizeilichen Räumung des Projekts steht somit nichts mehr im Wege – außer wir!
Die Räumung unkommerzieller Projekte ist mit eine Folge des stattfindenden neoliberalen Aufwertungsprozesses in den Städten. Jedoch ist dies ein gesamtgesellschaftliches Problem: Wohnraum wird teurer, Menschen werden auf die Straße gesetzt und ausgegrenzt. Möglichkeiten Freizeit selbstbestimmt zu gestalten werden weniger, selbstorganisierte Strukturen und unkommerzielle Kulturangebote verschwinden mehr und mehr, während berlinweit diverse soziale Projekte finanziell gekürzt werden. Gleichzeitig nimmt die Überwachung und Kontrolle des öffentlichen Raums immer weiter zu.
Aus linksradikaler Sicht fällt die Liebig 14 unter die Definition eines „Freiraums“ innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Auch wenn – selbstkritisch betrachtet – manche Ansprüche nicht immer erfüllt werden, so bieten sie trotzdem Raum, das Leben bestmöglich jenseits gesellschaftlicher Unterdrückungsmechanismen zu gestalten. Doch geht es nicht darum eine eigene kleine Welt aufzubauen sondern auch Orte zu schaffen in denen Widerstand gegen herrschende Verhältnisse organisiert werden kann. Da dies den staatlichen Behörden ein Dorn im Auge ist, kommt es immer wieder zu Repression. Am 16.11.2009 stürmten 150 Bullen die Projekte Liebig 14 und 34 zu einer Razzia. Nur eine Woche später wurde das Wohnprojekt in der Brunnenstr. 183 von 600 Bullen gewaltsam geräumt.
Die drohende Räumung der Liebig 14 ist ein Angriff auf uns alle, und wir haben nicht vor, dies ohne weiteres hinzunehmen. Um eine Räumung zu verhindern, werden wir die Infrastruktur (Ticker, Infotelefon, Infopunkt, etc.) stellen – Aktionen sollen von allen kommen. Um den Verantwortlichen der Politik und Justiz klar zu machen dass eine Räumung eine verdammt teure Sache sein kann wollen wir am dezentralen Konzept festhalten. Da wir uns bewusst darüber sind, dass wir bei einer Räumung einer technisch überlegenen Staatsmacht gegenüberstehen und es für fast unmöglich halten, die Bullen direkt am Haus aufzuhalten sehen wir uns dazu gezwungen auszuweichen und uns stattdessen auf andere, dezentrale Angriffspunkte konzentrieren. Wir denken, dass es richtig ist die konkreten Verhältnisse, die Menschen ausgrenzen und unterdrücken nicht nur zu kritisieren, sondern auch anzugreifen.

Jede Räumung hat ihren Preis – wir bestimmen welchen!
Kapitalismus abschaffen!
Wir bleiben Alle!

Mehr Infos:
Liebig 14 – Homepage
Liebig 14 – Blog