Chronik der rechten Angriffe in Berlin seit November 2009

Folgende Chronik soll einen Überblick über die Angriffe seit Ende letzten Jahres verschaffen.
Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich auch bei Angriffen auf alternative Projekte, bei denen die Angreifer_innen z.B. keine rechten Sprühereien hinterlassen haben, um Teile einer gezielten Angriffswelle der Berliner rechten Szene handelt. Einschüchterung wirkt bekanntlich am besten, wenn sie unvermittelt bleibt. Gerade dann, wenn nicht eindeutig ist, von wem die Angriffe ausgehen, bedeutet dies für die Betroffenen nicht nur Unsicherheit, sondern auch Ratlosigkeit bezüglich entsprechender Reaktionen. Der „Schockmoment“ bedeutet immer auch eine Unterbrechung des Alltagsbetriebes solcher Projekte. Ziel der Rechten ist es somit, linke Strukturen zu schädigen und aktive Arbeit gegen Rechts zu lähmen.

Mit Sicherheit gibt es Angriffe, die noch nicht bekannt geworden sind. Folgende Auflistung ist darum eine Aufforderung an alle Menschen in der Nachbarschaft, uns rechte Übergriffe und Propaganda-Aktionen mitzuteilen und dagegen vorzugehen. Durch das Veröffentlichen rechter Aktivitäten können wir gemeinsam der Verharmlosung rechter Gewalt etwas entgegensetzen.

26. / 27. Nov. 2009 – Neukölln
Jonasstraße : Dem Kulturzentrum der “Chile Freundschaftsgesellschaft“ werden die Scheiben eingeworfen. Zahlreiche NPD-Sticker und Aufkleber, die den NS-Kriegsverbrecher Rudolf Heß verherrlichen, werden in der näheren Umgebung verklebt.

13. / 14. Dez. 2009 – Neukölln
Richardstraße: Bei einer nach der Antifaschistin Olga Benario benannten Galerie werden in der Nacht die Scheiben eingeschmissen.

Friedelstraße: Die Fensterscheibe der Projekträume “Friedel 54“ werden eingeworfen. Die Angreifer sprühen außerdem ein Keltenkreuz und die Parole „Deutsche wehrt euch“ in der nahe gelegenen Weserstraße.

Pannierstraße:
Neonazis schmieren an die Fassade des linken Barkolletives “Tristeza“ den Spruch “C-4 for Reds“. Bei C-4 handelt es sich um Plastiksprengstoff, also eine klare Morddrohung gegen Linke.

06. / 07. Dez. 2009 – Kreuzberg
Waldemarstraße: Wie schon am gleichen Abend nahe der “Friedel 54“ in Neukölln geschehen, bringen Unbekannte dieselben Parolen am Laden des Antifa-Versands „Red Stuff“ an.

15. Jan. 2010 – Weißensee

Bernkasteler Straße : Im Treppenhaus des Jugendzentrums “Bunte Kuh” und des Kultur- und Bildungszentrums (KUBIZ) werden Teile der Inneneinrichtung von Unbekannten beschädigt. Es entstehen massive Sachschäden.

24. / 25. Jan. 2010 – Neukölln
Richardstraße: Der “Galerie Olga Benario” werden erneut die Schaufenster eingeworfen. Außerdem wird die Eingangstür beschädigt.

Jonasstraße:
Zum dritten Mal innerhalb von sechs Monaten trifft es das Ladenlokal der „Chile Freundschaftsgesellschaft“. Wieder gehen die Schaufenster zu Bruch, in denen unter anderem Plakate zur Mobilisierung gegen den (Neo-)Naziaufmarsch in Dresden am 13. Februar hängen. Außerdem lassen sich zahlreiche NPD-Aufkleber im näheren Umfeld des Ladens auffinden, die an den Jahrestag des Selbstmordes des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß erinnern.

24. / 25. Jan. 2010 – Friedrichshain
Gryphiusstraße: Das Büro der “Naturfreundejugend” (NFJ) Berlin wird Ziel eines Angriffs. Zwei Glasscheiben gehen kaputt.

25. / 26. Jan. 2010 – Neukölln
Berthelsdorfer Straße: Der Rollladen der Bündnis 90/Die Grünen-Geschäftsstelle wird mit der Parole „Dresden 45 unvergessen“ beschmiert. Außerdem werden die Klingel- und Schließanlage des Ladens beschädigt.

26. / 27. Jan. 2010 – Wedding
Groninger Straße: An das linke Wohnprojekt “Groni 50” sprühen Neonazis den Schriftzug “Game over Antifa“ und den Schriftzug “9mm“, der eine klare Gewaltandrohung darstellt.

28. Jan. 2010 – Weißensee

Bernkasteler Straße: Im Treppenhaus des alternativen Jugendclubs “Bunte Kuh” wird erneut die Inneneinrichtung zerstört.

29. / 30. Jan. 2010 – Weißensee
Bernkasteler Straße: Am “Kultur- und Bildungszentrum” (KUBIZ) wird eine Scheibe eingeworfen.

24. / 25. Feb. 2010 – Wedding
Schererstr: Zwei vermummte Personen werfen die Schaufenster des linken Nachbarschaftsprojektes “Scherer 8” ein.

31. Jan. 2010 – Wedding
Schererstraße: Vor der Haustür der “Scherer 8” stecken Unbekannte einen Bus, der als „Punkerbus“ zu erkennen ist, in Brand. Nachbarn löschen das Feuer. Zeitnah werden auch die Reifen eines PKWs zerstochen, den die Angreifer dem Hausprojekt zurechnen.

17./18. Feb. 2010 – Mitte
Hessische Straße: Unbekannte beschädigen durch Steinwürfe die Scheiben der Bündnis 90/ Die Grünen-Geschäftsstelle in Mitte.

09./10. März 2010 – Berlin

Prenzlauer Berg:
Dem Buchladen “Schwarze Risse” in der Kastanienallee werden beide Frontscheiben eingeworfen.

Kreuzberg:
Eine Scheibe vom „Anti-Quariat“ (Oranienstraße) wird eingeworfen / Das Schloss vom „Red Stuff“ (Waldemarstraße) wird zugeklebt, kann aber ohne Kosten gesäubert werden / Die Hausfassade der Obdachlosenzeitung „Querkopf“ in der Blücherstraße wird besprüht.

Neukölln:
Die Scheiben der “Chile-Freundschaftsgesellschaft” (Jonasstraße) werden eingeworfen / Die Rollläden des Projektraums „ORi“ (Friedelstraße) werden mit „C4 for Reds“ und zwei Keltenkreuzen besprüht / Das Schloss des Projektraums “Friedel 54” (Friedelstraße) wird zugeklebt, kann aber ohne Kosten gesäubert werden / Bei einer Privatperson werden der Nachname, „Game Over“ und „C4 for Antifa“ sowie zwei Keltenkreuze an die Hauswand gesprüht.