Wir dulden keinen Naziterror!

Liebe Nachbar_innen und Interessierte.

Seit dem Spätsommer des vergangenen Jahres kommt es in Berlin zu einer Vielzahl von Angriffen auf Läden, Büros und Projekträume, deren Nutzer_innen sich seit Jahren gegen Neonazis und rassistische Zustände engagieren. Im gesamten Stadtgebiet kam es indessen zu insgesamt 23 Angriffen solcher Art, von Neukölln, Mitte, Friedrichshain bis nach Wedding und Weißensee. Mit diesem Flugblatt wollen wir, die sich schon länger aktiv gegen den erstarkenden Neonazismus im Bundesgebiet und darüber hinaus, einsetzen, auf die Angriffe aufmerksam machen.

Schmierereien, eingeworfene Scheiben, Brandanschläge

Im Vorfeld des bundesweiten (Neo)Naziaufmarsches am 13. Februar 2010 in Dresden hatten Neonazis zu Aktionen aufgerufen. Beim Kleben von Plakaten bzw. Aufklebern und Abwerfen von geschichtsverdrehenden Flugblättern seitens der Neonazi-Szene sollte es allerdings nicht bleiben. Über 16 Läden und Initiativen, die im Kampf gegen (Neo-)Nazis aktiv sind, wurden seit letztem Jahr angegriffen. Viele dieser Projekte waren im Vorfeld im Internet auf einer „Anti-Antifa-Liste“ veröffentlicht worden.
Die Höhepunkte der Gewalt bildeten bisher ein Brandanschlag auf ein Bürger_innenzentrum in Zossen, welches sich gegen Neonazis in Teltow-Fläming positionierte, sowie eine Welle von Morddrohungen, die Personen zugestellt wurden, welche öffentlich einen Aufruf zur Blockade des Neonazi-Aufmarsches in Dresden unterzeichnet hatten.
Im gesamten Bundesgebiet gibt es zurzeit vermehrt Angriffe gegen linke Strukturen. So wurde die „Alte Meierei“, ein alternatives Kulturzentrum in Kiel, mit scharfer Munition beschossen. In Salzwedel drangen Neonazis in das örtliche Jugendzentrum ein, griffen die anwesenden Personen an und zerstörten Teile des Mobiliars.

Antifaschismus ist notwendig!

Von Seiten der Staatsorgane und der Regierung wird die Gefahr, die von diesen Angriffen ausgeht, relativiert und bewusst verharmlost. Wenn Menschen aus rassistischen Gründen angegriffen, verletzt und, wie seit 1990 bereits mehr als 149 Mal geschehen, ermordet werden, wird dies als Einzeltaten dargestellt und der rassistische Handlungshintergrund der Täter_innen nicht thematisiert. Werden Menschen, die sich als links verstehen, von Neonazis angegriffen, so erscheinen diese Übergriffe als bloße „Rechts-Links-Konfrontation“. In diesem Land, wo im Namen der nationalsozialistischen Ideologie deren Anhänger_innen bereits Millionen Menschenleben vernichtet haben, wehren wir uns dagegen, dass Antifaschist_innen, also die Einzigen, die aktiv gegen neonazistische Aktionen vorgehen, kriminalisiert werden. Wir kämpfen für ein Leben frei von Diskriminierung, frei von den alltäglich unterdrückenden Zuständen. Die angegriffenen Projeke sind ein Teil linker Kultur, die sich gegen rassistische, antisemitische, sexistische und kapitalistische Zustände richtet.

Solidarität mit den angegriffenen Projekten

Die linken Projekte, Cafés und Kulturinitiativen stehen für unsere Vorstellung, dass ein anderes Leben möglich ist. Sie sind eine Möglichkeit für viele Menschen aller Altersstufen, Kinoabende, Abendessen, Konzerte und Lesungen genießen zu können, ohne Diskriminierung befürchten zu müssen.
Solidarisiert Euch mit den angegriffenen Projekten, Räumen und Menschen, engagiert Euch gegen rassistische und neonazistische Entwicklungen in Eurem Kiez und in Eurer Stadt.

Besucht die Projekte, stärkt sie im Ringen um ein besseres Leben.
Wir dulden keinen Naziterror!